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fluss auf das Leben hat. Deswegen könnté ein Staat aus lauter Atheisten sehr wohl bestehn, und würde sich vielleicht besser halten, als einer der aus lauter Frommen besteht, die stets bereit sind, Andere zu verdammen und zu bekritteln. La Mettrie spricht dann endlich seine Meinung, die er einem Freunde in den Mund legt, so aus, als dass die Welt nicht eher glücklich seyn werde, wenn der Atheismus allgemein herrschend geworden. Dann erst würde es keine religiösen Kriege mehr geben, dann erst würden die schrecklichsten Krieger (die Theologen) verschwinden und die itzt vergiftete Natur wieder zu ihrem Rechte kommen, dann erst würde der Mensch, jedes andre Gesetz verwerfend, dem höchsten folgen, dem seiner eignen Individualität. 2)

Die atheistischen Lehren sind in den Werken des La Mettrie nicht die eigentliche Hauptsache. Vorzüglich suchen sie den Materialismus durchzuführen in Beziehung auf die menschliche Seele: Die Philosophie ist allerdings wie man ihr vorwirft, Materialismus; sie muss das aber auch seyn, denn alle Beobachtungen und Erfahrungen der grössten Philosophen und Aerzte beweisen die Richtigkeit dieser Ansicht, die sich je mehr man die Organisation der Thiere und Menschen kennen lernt, um so mehr Sieg verschafft. Von den zwei Systemen der Philosophen über die menschliche Seele, ist das richtigere, der Materialismus, auch das ältere, der Spiritualismus ist erst später entstanden. Man hält jenes erstere System für eines, wel

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ches der Würde der Seele zu nahe tritt. Allein die Würde der Vernunft kann doch nicht von einem unsinnigen aber vornehm klingenden Wort (Immaterialität) abhängen, und es kommt bei der Beurtheilung ihres Werthes nicht darauf an, woraus die Seele besteht, sondern vielmehr was sie leistet; ihr Ursprung ist dabei ganz unwesentlich. Seele ist darum nur ein leerer Name, der einen vernünftigen Sinn nur hat, wenn wir darunter den Theil unseres Körpers verstehn, welcher denkt. Dieses ist das Gehirn, welches eben so seine Denkmuskeln hat, wie die Beine Muskeln zum Gehen. Was dem Menschen einen Vorzug gibt ist daher erstlich die Organisation seines Gehirns, und zweitens der Unterricht den dasselbe empfängt. Tritt beides zu

sammen, so ist es der grössten Erkenntniss fähig, d. h. es hat ein starkes Vorstellungsvermögen (imagination) worauf alles Erkennen hinausläuft. Trotz aller der Vorzüge, welche man dem Menschen zuschreibt ist er ein Thier wie sie, in Manchem scheinen die Thiere ihn zu übertreffen. Das aber worin sein wirklicher Vorzug besteht ist, dass er mehr Bedürfnisse hat als das Thier, und dass daher sich in ihm mehr Geschicklicheit und Geist entwickelt. (Was die Entstehung der Menschen betrifft, so neigt La Mettrie zu der Ansicht, dass er aus immer weiter gehender Mischung der Thiergattungen eden sey). 3)

Was bei solcher Ansicht aus der Freih ist leicht abzusehn. Ausdrücklich sagt La

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der Materialismus sei das beste Gegengift gegen die Misanthropie; er lehre, nicht den Menschen die Schuld ihrer Handlungen beizumessen, sondern der Nothwendigkeit. Dasselbe nun, was hinsichtlich

andrer Menschen gilt, muss man auch hinsichtlich seiner selbst sagen, und der Materialismus ist eine tröstliche Ansicht, weil er dem Menschen zeigt, dass er keine Reue nöthig hat, er kann vielleicht als guter Bürger es bedauern, dass er eine schlecht construirte Maschine ist, als Philosoph weiss er, dass er dafür nicht responsabel; die Natur hat ihn so gemacht. Natürlich spottet La Mettrie, wo er kann,* über die Ansicht, dass der Geist mehr sey als vergänglicher Staub. Die Seele als ein Theil des Körpers vergeht mit ihm. Er preist sich glücklich, dass aller Aberglaube ihn verlassen; mit dem Tode ist alles aus, la farce est jouée! Damit soll aber nicht die Werthlosigkeit des Lebens behauptet werden, und etwa zum Selbstmord aufgefordert. Im Gegentheil das Leben ist so sehr das höchste Gut, dass Jeder ermahnt werden muss es fest zu halten. Wer Religion hat, den berede man zu leben, indem man ihn mit Strafen schreckt, wem Religion das ist was sie ist, eine Fabel, den suche man auf andre Art ans Leben zu fesseln. Das Resultat dieser Ansicht ist: Man geniesse so lange man ist, und verschiebe den Genuss nicht. Dies ist die einzige Bestimmung, welche die Natur uns, wie allen andern Geschöpfen, gegeben hat. Weisheit und Wissenschaft ist vielleicht nur entstanden, indem wir

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die eigentliche Bestimmung unsrer Organisation verkannten. 4)

§. 15.

Aeusserstes Extrem der materialistischen Richtung im Système de la Nature.

Alle die einzelnen Fäden, die bis dahin angelegt waren, ziehen sich endlich zu einem Systeme zusammen, welches das grosse Verdienst hat, dass es mit dem grössten Bewusstseyn, jede Halbheit vermeidend, die Lehre ausspricht, nach welcher nur dem Materiellen ein Seyn zukommt, und alles Geistige, Vernünftige wie Göttliche blosse Chimäre seyn lässt, dass es über die völlige Entgeistung des Universums triumphirend die äusserste Consequenz der von Locke zuerst aufgestellten Ansichten geltend macht, und damit die realistische Richtung dieser Periode abschliesst. Es ist das Système de la Nature.

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