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Unsterblichkeit den Menschen zum tüchtigen Wirken begeistere. Er versteht aber unter Unsterblichkeit nur das Leben im Andenken kommender Geschlechter, und in dem Durste nach Ruhm zürnt er dem Freunde, dass der auf denselben leicht verzichten zu können behauptet. Jedes Mal wo er das Wort Unsterblichkeit braucht, fügt er als nähere Bestimmung hinzu, was er darunter versteht, und nennt den Glauben der Christen einen Wahnsinn. Wie der Mensch in der Vergangenheit lebt in dem Studium der Geschichte, in der Gegenwart indem er geniesst, so wird er in der Zukunft leben in dem Munde der Nachwelt. 2)

Was die praktischen Lehren Diderots betrifft, so tritt uns in denselben wenig Neues entgegen. Das Wohl ist ihm, wie sich erwarten liess, das Ziel der Handlungen, die Selbstliebe das Princip derselben, die Leidenschaften ihre Bethätigung. Er nimmt sich der letzteren an gegen die Declamationen mit denen man sie herabzusetzen sich bemüht, und behauptet dass sie nicht nur die Quelle alles Vergnügens sind, sondern auch, dass nur grosse Leidenschaften zu grossen Handlungen führen. —

3) Hatte Diderot gleich die oben angedeuteten Punkte weiter geführt, so war er doch namentlich in den Schriften welche er selbst herausgegeben hatte, noch zurückhaltend gewesen. Hierzu brachte

ihn wohl ausser persönlichen Rücksichten eine Art von Schonung gegen die Gewissen Andrer. Hiezu kam ein sittlicher Ernst, der für jene Zeit gross zu nennen ist. Daher sehn wir ihn, vielleicht ehrlich, sich immer wieder einen Deisten nennen, und sehn ihn mit den grössten Aufopferungen geistige Interessen vertreten. Es bedurfte grösserer Keckheit. Die Welt musste daran gewöhnt werden, dass alles Geistige ein Wahn, und deswegen das physische Wohlseyn und der physische Genuss als das höchste Ziel des Menschen anzusehn sey. Das Geschäft nun, den Menschen jeder höhern Würde zu entkleiden, und ihn hierin völlig dem Thiere gleich zu machen, hat ein Mann unternommen, der die anatomischen Kenntnisse die er als Arzt hatte, dazu benutzte um seiner Ansicht den Schein von Gründlichkeit zu geben, und, am Hofe des geistreichsten Monarchen seiner Zeit gern gesehn, (Voltaire nannte ihn witzig den Königlich Preussischen Hof-Atheisten)

Gelegenheit hatte, seine

Gedanken einem höhern Kreise bekannt und an

nehmbar zu machen es ist,

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La Mettrie ').

Julien Offray de la Mettrie wurde am 25ten Dec. 1709 zu St. Malo geboren und erhielt eine sorgfältige Erziehung im elterlichen Hause. Er ward darauf nach Paris in ein Collége gegeben, und erhielt später den Unterricht in der Rhetorik bei den Jesuiten in Caen. Die Logik lernte er bei einem sehr angesehnen Jansenisten, Cordier, und war in jener Zeit ein eifriger Anhänger jansenistischer Lehren. Nach Hause zurückgekehrt bewog er den Vater, der ihn zum geistlichen Stande bestimmt hatte, ihn Medicin studiren zu lassen. Es geschah. Zu Reims erhielt er von der Facultät im J. 1728 die ersten Grade, und begab sich dann nach Leyden zu Boerhave, der ihm wohl gewogen war und von dem er mehrere Werke übersetzt hat. Er kehrte dann wieder in seine Heimath zurück, wo er bis zum J. 1742 blieb. Dann begab er sich nach Paris, ward mit dem Herzog von Grammont bekannt, den er auf seinen Feldzügen begleitete. Auf einem derselben ward er krank, und als er hier bemerkte, dass durch das physische Unwohlseyn seine geistige Stimmung sehr deprimirt ward, war dies die erste Veranlassung eine Ansicht zu fassen, die er sogleich in einem Werke 2) öffentlich aus

1) Biographie universelle,

2) Histoire naturelle de l'ame, à la Haye 1745. 8vo.

sprach, dass das Denken nichts Andres als ein Resultat unsrer körperlichen Organisation sey. Dieses Werk erregte so grosses Aergerniss, dass er seine Stelle als Hospitalarzt verlor. Eine satyrische Schrift gegen seine Collegen 3) machte noch grösseren Lärm, wurde auf Befehl des Parlaments verbrannt, und brachte seine Verbannung aus Frankreich zu wege, Er ging nach Leyden; als er aber hier eine zweite Satyre gegen die Aerzte 4) und eine Schrift verfasst hatte, deren Tendenz ihr Titel 5) angibt, ward er auch aus den Niederlanden vertrieben, nachdem die letzt genannte Schrift verbrannt war. In dieser Zeit bot ihm Friedrich II durch Maupertuis Berlin als Zufluchtsort an, und er begab sich im Jahre 1748 dahin. Hier gab er eine grosse Anzahl von Schriften heraus. So gut er behandelt wurde, und so viel Freiheiten er sich gegen den König herausnahm, so sehr er ihm öffentlich schmeichelte und sich Glück wünschte in seiner Nähe zu leben,

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3) La politique du médecin du Machiavel où le chemin de la fortune ouvert aux médecins. Amst. (Lyon) 1746.

4) La faculté vengée, comédie, Paris (Holland) 1747. 5) Homme machine. Leyde 1748. Er hatte die Frechheit diese Schrift Albrecht von Haller als einem Geistesverwandten zu dediciren.

6) Traité de la vie heureuse de Senèque avec l'Antisenèque. 1748. L'homme plante. 1748. L'art de jouir 1751. Ré

flexions sur l'origine des animaux. Berlin 1750. taphysique ou Essai sur l'origine de l'ame humain.

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Venus mé

Die Oeuvres

philosophiques London (Berlin) 1751. 4. enthalten noch einige Aufsätze ähnlicher Tendenz.

so sehnte er sich doch nach Paris zurück und bat heimlich Voltaire, dies zu vermitteln. Ehe er es aber erreichte, starb er in Folge einer Indigestion, die er selbst mit unrichtig gewählten Mitteln heben wollte am 11 Nbr. 1751. Er ward in der katholischen Kirche beerdigt, où il est tout étonné de se trouver sagt Voltaire in einem Briefe. Voltaire hat ihn stets verachtet, d'Argens nennt ihn einen frénétique oder er sagt von ihm: C'est le vice qui s'explique par la voix de la démence. Diderot, den La Mettrie oft anführt als sey dieser es vornehmlich der ihn zu seiner Ansicht gebracht habe, Aspricht ein strenges aber nicht ungerechtes Urtheil über ihn aus, wenn er sagt: (Essai sur les règnes de Claude et Néron) La Mettrie, dissolu, impudent, bouffon, flatteur, était fait pour la vie des cours et les faveurs des grands; il est mort comme il devait mourir victime de son intempérance et de sa folie, il s'est tué par l'ignorance de l'état qu'il professait.

Dass La Mettrie über die Tendenz seiner Ansichten nicht in Zweifel war, davon gibt der Discours préliminaire mit dem er seine Oeuvres philosophiques einleitet das beste Zeugniss. Er bekennt dort sogleich, dass die Philosophie der Religion eben sowol als der Moral entgegengesetzt sey, will aber zugleich beweisen, dass sie dessen ungeachtet beiden keine Gefahr bringe. Um diese beiden Bestimmungen zugleich festzuhalten, sucht er zu beweisen, dass beide (Philosophie einerseits, Moral und Re

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