Imágenes de páginas
PDF
EPUB

auch nicht ein Schwanken, so doch ein allmähliges Veränden der Ansicht.

Nehmen wir hier erstlich seine Ansichten von der Gottheit; so müssen die Pensées philosophiques zuerst als Quelle angesehen werden. Hier spricht er nun zuerst gegen die unwürdigen Vorstellun gen von Gott; diese setzt er besonders in die Lehre von der ewigen Verdammniss. Er hält diese für eben so falsch wie die der völligen Straflosigkeit. Nach den Vorstellungen, die man sich gewöhnlich von Gott macht, nach welchen man Gott nicht fürchtet, sondern vielmehr Angst vor ihm hat, müsste man wünschen, es gebe keinen Gott, denn der Gedanke dass es keinen Gott gebe, hat noch Keinen erschreckt, wohl aber dass es einen solchen gibt, wie Jene sagen. Auch erweise in der That der Atheist der Gottheit mehr Ehre als der Abergläubige. Der letztere vermag gegen die Atheisten nichts; nur der Deist vermag ihm zu widerstehen. Der Deismus aber ist auch die Ansicht zu welcher die genaue Naturbetrachtung führt, so dass in die ser ein Gegengewicht gegen den Atheismus gegeben ist. Der Atheisten werden nun dreierlei unterschie den, die welche wirklich Atheisten sind, diese sind bedauernswerth, es gibt für sie keinen Trost, zweitens solche, welche noch nicht mit sich im Reinen sind, dies sind die skeptischen Atheisten, für diese muss man Gott um Erleuchtung bitten, endlich aber die Gecken (fanfarons) welche nur thun als wären sie Atheisten und wie solche leben, ohne eine

[ocr errors]

Meinung zu haben. Diese sind als unwahr verächtlich. Was der Atheist leugnet, der Skeptiker unentschieden lässt, das behauptet der Deist." Aber schon in dieser Schrift sehen wir Diderot sich in dem emphatischen Lobe, welches er der Skepsis zollt, mehr vom Deismus entfernen, und zur Skepsis neigen. Mehr geschieht nun dies in der später verfassten Schrift: Pensées sur l'interprétation de la nature. In dieser Schrift befindet sich ein Gebet, worin immer sich diese und ähnliche Wendungen finden: Gott! Ich weiss nicht ob du bist, aber wenn du bist u. s. w. Ich bitte nichts, denn der Lauf der Dinge ist nothwendig durch sich selbst, wenn du nicht bist, durch deinen Beschluss, wenn du bist. Weil Gott es so vorgeschrieben, oder vielleicht der allgemeine Mechanismus, den man Schicksal nennt, es so nothwendig gemacht u. s. w. →→→ Viel weiter geht dann Diderot in der Schrift la Promenade du Sceptique, welche er im J. 1747 verfasste. Auch hier rechnet er sich noch zu den Deisten, lässt aber den Repräsentanten des Deismus verstummen vor einer andern Ansicht, in welcher behauptet wird, das Universum welches aus einer ausgedehnten und einer denkenden Substanz bestehe, dieses sey Gott. Nehmen wir nun endlich das Gespräch mit d'Alembert und den Traum d'Alemberts hinzu, die ohne Zweifel später verfasst sind, und sehen, wie er hier den Unterschied zwischen ateriellen und im... steriellen Wesen verwirft, und ur ein Wesen an at, das All; halten wir dabei

fest dass er behauptet es gebe eigentlich gar keinen Zustand, in welchem man zweifelhaft sey, SO bieten uns die angeführten Aeusserungen Diderots eine stufenweise fortgehende Entwicklung seiner Ansicht hinsichtlich dieses Punktes dar. 1).

[ocr errors]

Eine ähnliche Entwicklung können wir verfol gen, wenn wir seine Ansichten von der Seele ansehn, nur scheint hier besonders Vorsicht nöthig zu seyn, weil vielleicht was gedruckt werden sollte, mehr als eigentlich seine eigne Ansicht erlaubte, den allgemein herrschenden Meinungen, angepasst wurde. So tritt uns in den Principes de Philoso phie morale, welche im J. 1754 herausgegeben sind, noch folgendes Räsonnement entgegen: Es finden sich in dem Leben des Menschen Erscheinungen, welche durchaus nicht bloss körperlich erklärt werden können. Vielmehr muss ein Princip der Thätigkeit in ihm angenommen werden, welches wesentlich verschieden (ja gewisser Massen ihm entgegengesetzt) ist von der gegen Ruhe und Bewegung gleichgültigen Materie. Die Einheit der Empfindung, die Einfachheit des Ich könnte auch nicht Statt finden, wenn dieses Wesen ein materielles, und also zusammengesetztes wäre. Da die Empfindung, wie dies durch sich selbst klar ist, weder der Materie im Allgemeinen zukommt, noch auch einer bestimmten Partie der Materie, weil sie da immer der Einfachheit entbehrte, so ist die empfindende Substanz nicht immateriell. Ist sie aber immateriell so braucht sie nicht wie der Körper zu vergehn, es ist also

möglich dass sie ́ nach der Auflösung des Körpers fortdauert. Ja noch mehr, es ist dies sogar wahrscheinlich. Denn da die Existenz der Seele ein Factum ist, so müsste um sie aufhören zu machen eine That des Schöpfers erforderlich seyn, eben so reel, wie der Schöpfungsact, es ist aber kein Grund vorhanden zu einem solchen Vernichtungsacte. Mit diesem Räsonnement stimmt denn auch ganz gut zusammen dass in den Persées philosophiques die Unsterblichkeit als Etwas bezeichnet wird, was der Skeptiker bezweifle, der Deist behaupte, und dass in dem Discours préliminaire zur Promenade du Sceptique neben der Existenz Gottes der Unterschied des Guten und Bösen und die Unsterblichkeit der Seele als geltende Facta festgehalten werden. Ganz anders gestaltet sich aber dies in dem Gespräche d'Alemberts Traum. Hier beseitigt er den Einwand, dem er dort gewichen war, indem er Empfindung als eine Eigenschaft aller Materie ansieht. Er macht zwar einen Unterschied zwischen organischer und unorganischer Materie, vergleicht aber diesen mit dem Unterschiede der todten und lebendigen Kräfte, und sucht nun zu zeigen, dass sogar ein Uebergang von der einen zur andern Statt finde, indem unorganische Substanzen im Assimilationsprocess in organische verwandelt werden. In jenen nimmt er deswegen todte (inerte) in diesen lebendige (active) Empfindung an. Den Einwand, den er sich von d'Alembert machen lässt dass doch die Empfindung in sich einfach sey und II, I.

18

also ein Substrat haben müsse, dem gleichfalls Einfachheit zukomme, nennt er jetzt metaphysisch theologischen Galimatias, da hier kein Unterschied Statt finde zwischen Empfindung und etwa Undurchdringlichkeit, welche auch nur eine, und einfach sey, Es wird daher der Unterschied zwischen Leib und Seele, den er mit dem zwischen dem Clavierspieler und dem Instrument vergleicht, geleugnet, indem hier ein Instrument gegeben sey, das selber Spieler ist. Auch der Einwand, dass das Ich in sich selber Eines sey, schreckt ihn nicht mehr. Das Ich ist nur Product des Gedächtnisses, dieses aber nichts Andres als Empfindung des Centralorganes. Dass bei dieser Ansicht von Freiheit nicht die Rede seyn kann, liegt auf der Hand. Der Wille ist nur Determinirtseyn, jede Handlung folgt mit Nothwendigkeit aus nothwendigen Ursachen, Tugend und Laster werden dann zu glücklicher oder unglücklicher Prädisposition, Schaam und Reue zu einem kindischen Irrthum, der sich zuschreibt, was aus Nothwendigkeit geschah. Dass eben damit die absolute Vergänglichkeit des Menschen behauptet ist, folgt unmittelbar aus dieser Ansicht. Diesen letzten Punkt hat dann Diderot noch besonders in seinen Briefen an den Bildhauer Falconet zur Sprache gebracht, dem er die hohe Bedeutung des Nachruhms zu zeigen sich bemüht. Er spricht es hier entschieden aus, dass nur die Gattung ein Bestehn habe, die einzelnen Individuen aber vergänglich seyen. Dennoch aber will er, dass nur der Glaube an die

« AnteriorContinuar »