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nicht ein körperliches Gefühl zu verstehn ist. Genug es ist ein angeborner moralischer Sinn in uns, der uns von der Natur gerade so eingepflanzt ist, wie den Thieren der Instinct. Kein Mensch ist ohne diesen Sinn, und er hängt weder von der Bildung noch vom Räsonnement ab. Wenn die Begriffe vom Guten und Bösen verschieden sind, so streitet dies nicht gegen die Allgemeinheit jenes Sinnes, eben so wenig, wie die Verschiedenheit des Geschmacks beweisen kann, dass das Schmecken dem Menschen nicht natürlich sey. Nur ausbilden können wir ihn, und üben, und dies geschieht, indem wir den Kreis, auf den unsere Neigung gerichtet ist, immer mehr erweitern, und immer mehr Gegenstände mit. unserem Wohlwollen umfassen. Dieser moralische Sinn täuscht nicht; wo es so scheint, sind es nur irrige Vorstellungen von dem, was der moralische Sinn beurtheilt, die sein Urtheil falsch erscheinen lassen, dieses selbst ist aber immer richtig. Die Vorstellung von Gott kann allerdings dazu dienen, die selbstischen Neigungen zurückzudrängen, und so mittelbar dem moralischen Gefühl Raum zu verschaffen, abhängig ist es gar nicht von jener Vorstellung, dies lehrt die Erfahrung, welche zeigt, dass Solche, die kaum einen Begriff von der Gottheit hatten, dennoch die Begriffe von Ehre, Treue, Grossmuth, Gerechtigkeit kannten. Es ist ein vergebliches Bemühen, diese Begriffe aus dem eignen Interesse abzuleiten, sie stammen aus dem moralischen Gefühl, welches, stärker als das Interesse, von

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ihm nicht überwogen werden kann, wohl aber im Stande ist, selbst das, was unser Interesse befriedigt, zu, tadeln und dadurch uns unangenehm zu machen. Wenn dieser Sinn angeboren genannt wird, so heisst dies nicht, angeborne Ideen oder angeborne Wahrheiten behaupten. Von solchen ist nicht die Rede, sondern wie der äussere Sinn unmittelbar fähig ist, Eindrücke zu empfangen, eben so ist der moralische Sinn die Fähigkeit, angenehme oder unangenehme Eindrücke zu empfangen, noch ehe die Begriffe gut, nützlich u. s. f. ihm zum Bewusstseyn gekommen sind. Es verhält sich hier so, wie mit der unmittelbaren Lust an der Harmonie von Tönen, die nicht auf einer angebornen Kenntniss der mathematischen Proportionen beruht. 3)

Es bleibt nun nur noch übrig zu zeigen, welchen Inhalt denn diejenigen Handlungen haben müssen, welche von dem moralischen Sinn Billigung erhalten sollen. Hier stellt sich nun dieses richtende Princip ganz und gar auf die Seite der wohlwollenden Neigung: Jede Handlung, sagt Hutcheson, welche wir moralisch gut oder schlecht nennen, nennen wir nur so, weil wir sie als aus Zuneigung oder Abneigung gegen andre Wesen hervorgegangen ansehn. Der moralische Sinn billigt nur die Handlungen, welche, sie mögen sonst so verschieden seyn wie sie wollen, darin übereinkommen, dass sie auf das Wohl der Anderen gehen. Die Gemüthsstimmung daher, welche den höchsten Werth hat, und die höchste moralische Billigung erfährt, ist die be

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ständige leidenschaftslose allgemeine Liebe, oder das
möglich ausgedehnteste Wohlwollen. Diejenigen
Handlungen, welche aus der Selbstliebe hervorgehn,
wenn sie auch nicht mit dem Wohlwollen streiten
sollten, sind moralisch genommen ganz und gar
gleichgültig. Auch dies endlich, was Einige behaup-
ten, dass der moralische Sinn nur deswegen lehrte
tugendhaft zu seyn, weil das Gefühl des Tugend- W
haftseyns angenehm sey, ist weit davon entfernt,
diese Ansicht zu widerlegen. Vielmehr bestätigt es
dieselbe, indem ja darin ausgesprochen ist, dass es
einen Sinn gebe, dem die Tugend selbst angenehm
ist, d. h. einen Sinn, welcher nicht auf den Nutzen,
sondern auf das Tugendhafte geht. Das wahre Prin-
cip also des guten Handelns ist die Neigung in uns,
für das Wohl Anderer zu sorgen, oder jener In-
stinct, der ohne alle Rücksicht auf das eigne Wohl
uns eben so zur Liebe zu Anderen drängt, wie uns
der natürliche moralische Sinn zwingt, das zu bil-
ligen, was aus solcher Liebe hervorgegangen ist. 4)

Weitere Ausbildung des Em-
pirismus.

§. 10.

Uebergang von Locke zu dem skeptischen
Empirismus Hume's.

Der Empirismus, wie ihn Locke und die

englischen Moralisten geltend gemacht hatten,

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war weit vom Ziele dieser Richtung stehen geblieben. Beide hatten noch übrig gelassen, was die Erreichung desselben verhinderte, obgleich bereits bei ihnen alle Punkte sich bemerklich machen, worin weiter gegangen werden muss. Was sie zaghaft nur andeuteten, kühn auszusprechen, ist die Aufgabe der auf sie Folgenden. Es machen diesen Fortschritt Mehrere, welche, an sie sich anschliessend, der eine von dem einen, der andre von einem andern Punkte aus, den Realismus seinem Ziele näher bringen. Welchen Theil dieser Aufgabe je ein Individuum zu realisiren hat, wird durch seine sonstige Stellung, namentlich seine Volksthümlichkeit, bedingt. In das englische Bewusstseyn fällt darum nur der erste Schritt, der weder dem Extrem dieser Ansicht schon ganz nahe bringt, noch auch unmittelbar die Grundlagen des sittlichen Lebens antastet. Die anderen, freilich eben so wesentlichen, Schritte zu machen, und endlich die ganze Richtung bis an ihr

Extrem durchzuführen, machen Individuen, die dem französischen Volke angehören, zu ihrer Aufgabe. Bei diesem ist in einer Zeit, wo die seyende Vernünftigkeit, wie sie in Sitte, Staat und Kirche sich ausspricht, ihre se Herrschaft zu verlieren scheint, jener keckere G und frivolere Sinn möglich, der dazu gehört, diese Richtung ganz consequent durchzuführen. Jener erste Schritt besteht in der Correctur einer offenbaren Inconsequenz Lockes: Indem dieser alle Verhältnisse, in welchen die Objecte zu stehn scheinen, für etwas nur Subjectives erklärt, hat er die letzteren völlig vereinzelt und damit dem Denken entzogen. Nur ein Verhältniss hat er stehen lassen, allein dieses, das Substanzialitätsverhältniss, enthält im Keim alle Verhältnisse der Nothwendigkeit und des vernünftigen Zusammenhanges in sich. So lange aber vernünftiger Zusammenhang die Dinge noch bindet, weiss auch das vernünftige Subject die Vernunft als das Herrschende, und sich als berechtigt.

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