Eine Selbstschau

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H. R. Sauerländer & Company, 1907 - 308 páginas

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Página 44 - Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, Und leider auch Theologie Durchaus studiert, mit heißem Bemühn. Da steh' ich nun, ich armer Tor, Und bin so klug als wie zuvor! -^ Heiße Magister, heiße Doktor gar, Und ziehe schon an die zehen Jahr' Herauf, herab und quer und krumm Meine Schüler an der Nase herum Und sehe, daß wir nichts wissen können!
Página 237 - So erzählte ich, was mir mein Traumgesicht gegeben, und die ganze Tischgesellschaft erfuhr die Geschichte eines jungen Kaufmannes, seiner Lehrjahre, seiner kleinen Verirrungen, endlich auch eine von ihm begangene kleine Sünde an der Kasse seines Prinzipals. Ich beschrieb ihm dabei das unbewohnte Zimmer mit geweißten Wänden, wo rechts der braunen Tür auf einem Tische der schwarze Geldkasten gestanden usw.
Página 216 - ... Gericht, einerlei Erlösung, einerlei Ewigkeit. Die Verschiedenheit unserer Glaubensarten, Meinungen und Erkenntnisse kann nicht unsere Liebe zerstören. Drüben wohnen die Menschen nebeneinander als Gleichberechtigte und Gleichverpflichtete, wenn auch mit ungleichen Gaben und Kräften; sie erkennen sich als gleichgeschaffene Wesen, als Brüder, aber zugleich als Kinder eines und desselben Allvaters in seinem Hause, im grenzenlosen, wunderbaren Weltall. Herüben müssen wir dieses gesellschaftliche...
Página 179 - Als uns Kleist eines Tages sein Trauerspiel „Die Familie Schroffenstein" vorlas, ward im letzten Akt das allseitige Gelächter der Zuhörerschaft, wie auch des Dichters, so stürmisch und endlos, daß, bis zu seiner letzten Mordszene zu gelangen, Unmöglichkeit wurde.
Página 178 - Sie atmeten fast einzig für die Kunst des Schönen, für Poesie, Literatur und schriftstellerische Glorie. Der eine von ihnen, Ludwig Wieland, Sohn des Dichters, gefiel mir durch Humor und sarkastischen Witz, den ein Mienenspiel begleitete, welches auch Milzsüchtige zum Lachen getrieben hätte. Verwandter fühlt...
Página 179 - Zuweilen teilten wir uns auch freigebig von eignen poetischen Schöpfungen mit, was natürlich zu neckischen Glossen und Witzspielen den ergiebigsten Stoff lieferte. Als uns Kleist eines Tages sein Trauerspiel „Die Familie Schroffenstein...
Página 79 - Mehr aber als nur Spiel ward ein wöchentliches Sittengericht, in welchem die Zöglinge selbst Richter über sich wurden, sich aus ihrer Mitte Präsidenten und Sekretär ernannten und ihre Klagen und Verteidigungen selber vortrugen oder durch erwählte Redner vortragen ließen. Richter waren alle; doch mußte der Urteilsspruch von anwesenden Lehrern bestätigt, meistens gemildert werden. Am schwersten ward Heuchelei und Lüge verpönt. Urteilskraft, Rednergabe und sittliche Selbstbewachung gewannen...
Página 178 - Beide gewahrten in mir einen wahren Hyperboreer, der von der neuesten poetischen Schule in Deutschland kein Wort wußte. Goethe hieß ihr Abgott; nach ihm standen Schlegel und Tieck am höchsten, von denen ich bisher kaum mehr als den Namen kannte.
Página 205 - Es lag mir alles daran, noch in die dunkeln Hütten der Ärmsten, die kein Buch, kein öffentliches Blatt, höchstens im Jahr einen Kalender um wenige Kreuzer kaufen und lesen, Licht zu bringen. Ich ward demnach auch noch Kalendermacher, und um nicht dem Landmann anstößig zu werden durch Verletzung seines ihm anerzogenen Aberglaubens, mußten im «Schweizerboten-Kalender...
Página 62 - Inner den Ringmauern Zürichs wohnte die Republik, staatsbürgerliche Rechtsgleichheit, Liebe und Sorge fürs Vaterland. Hier galt der Mensch ungefähr noch, was er selber, und nicht, was etwa sein Rock, sein Haus, sein Titel wert war.

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