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DER

SKEPTIZISMUS IN DER PHILOSOPHIE

VON

RAOUL RICHTER

PRIVATDOZENT AN DER UNIVERSITÄT LEIPZIG

ERSTER BAND

LEIPZIG

VERLAG DER DÜRR'SCHEN BUCHHANDLUNG

1904

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Motto:

,, Im allgemeinen sei ein für allemal Folgendes bemerkt. Es handelt sich hier wie auch im ganzen Verlauf dieser Untersuchungen um typische Gedanken; und es wäre ein starker Irrtum, zu glauben, die Dinge, von denen wir reden, seien überwundene, veraltete, etwa nur aus kulturhistorischem Gesichtspunkt als Denkmäler der Vergangenheit interessant bleibende Meinungen und Ansichten eines weit hinter uns liegenden Zeitalters. Typische Gedanken sind es, von denen wir sprechen, von jeder Zeitströmung und vorübergehenden Geistesmode unabhängige Probleme, typische Denkmöglichkeiten und typische Denkwege, die der konsequent denkende, von keiner Autorität und Schulüberlieferung voreingenommene Verstand jederzeit und allerorten einschlagen kann; heute so gut wie vor fünfundzwanzig Jahrhunderten, im christlichen Europa so gut wie an den Küsten des ionischen Kleinasien oder im Delta des Nils oder an den Ufern des Ganges."

(Liebmann, Gedanken und Thatsachen II, S. 118.)

Vorwort.

Ob eine skeptische Philosophie möglich sei, ist ein Problem; daß es einen philosophischen Skeptizismus gibt, ist Tatsache. Der Skeptizismus spielt in der Philosophie eine doppelte Rolle: er ist die Anschauung, in die gewisse Grundrichtungen des philosophischen Denkens, wenn sie auch noch so zuversichtlich beginnen, rettungslos einmünden als in die letzte Konsequenz der eigenen Voraussetzungen; so ist er ein Ende und eine Auflösung. Er ist aber auch die Anschauung, deren Bekämpfung und Überwindung anderen philosophischen Denkrichtungen erst die Aufgabe, das Ziel, ja das Leben gibt; so ist er ein Anfang und eine Auslösung.

Mit der Darstellung und der Kritik des philosophischen Skeptizismus beschäftigt sich die vorliegende Arbeit, deren erster Band hier erscheint. Ihr Ziel ist ein durchaus philosophisches. Von den Gedanken der geschichtlich aufgetretenen Skeptiker sollen nur die philosophisch wertvollen berücksichtigt, in der Beurteilung derselben nur philosophisch haltbare Gesichtspunkte angewandt werden. Aus dem Netzwerk der antiken Skepsis gibt es noch mehrere breite Auswege in das freie Land der Erkenntnis; wenn aber im Lauf der Geschichte der grundsätzliche Zweifel immer weitere Opfer fordert und auch diese Auswege versperrt, verengt sich die Möglichkeit, ihm zu entgehen, in steigendem Maße. Schließlich

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